Hartmut Heinze

25 Jahre Via Regia - Sprachkurse an der Neiße

(Dies ist eine Kurzversion. Die Langversion könnt ihr als PDF-Datei hier herunterladen.)

Die traditionellen Via Regia - Sprachkurse, in denen Deutsche und Polen gemeinsam
die Sprache ihres Nachbarn lernen, feiern diesen Sommer ihr 25-jähriges Jubiläum.
Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Ostdeutschland und
Polen gründeten im September 1990, also noch vor der deutschen Wiedervereinigung,
sieben Personen aus Görlitz und Zgorzelec den eingetragenen Verein „Via Regia -
Begegnungszentrum“. Sie nutzten die errungene Freiheit und wollten sich sowie die
jeweils andere Seite der geteilten schlesischen Neißestadt näher kennen lernen. Die
Gründungsmitglieder trafen sich regelmäßig einmal in der Woche und diskutierten das
aktuelle Geschehen beiderseits der Neiße. Zu ihnen gehörten die jetzigen Görlitzer
Stadträte Gottfried Semmling (Grüne) und Michael Prochnow (SPD), sowie die
Zgorzelecer Lehrerin Hanna Majewska.

Nach einigen Monaten des Bestehens, im Jahr 1991, kamen die Mitglieder auf die Idee,
auch einen Sprachkurs in den Verein zu integrieren. Als Lehrer konnte der Zgorzelecer
Geschichtslehrer Jozef Grochala gewonnen werden. Das war die Geburtsstunde der
noch immer existierenden „Via Regia - Sprachkurse“. die im „Dom Turysty“ auf der
ulica Partyzantow in Zgorzelec in Grenznähe stattfinden.

Völlig überraschend gerieten die Sprachkurse 2007 in ihre bisher größte Krise. Lehrer
Jozef Grochala und auch der für die Finanzen verantwortliche Görlitzer Pastor Dietrich
Immer lehnten eine Fortführung der Kurse kategorisch ab. Die bisherigen Teilnehmer
wollten aber unbedingt weiter lernen. Zu ihnen gehörte auch der ehemalige Görlitzer
Gymnasiallehrer Hartmut Heinze, der seit 2003 die Kurse besuchte. Sie waren ihm
inzwischen ans Herz gewachsen, und er setzte sie trotz des vehementen Widerstandes
von Jozef Grochala fort. In Absprache mit dem Schirmherrn Gottfried Semmling
übernahm Hartmut Heinze im September 2007 die Leitung der „Via Regia -
Sprachkurse. Er gab den Kursen ein etwas anderes Profil, indem er neben dem
gemeinsamen Lernen auch aufdie Vermittlung landeskundlicher Kenntnisse Wert legte.
Die Teilnehmer der Kurse sollten etwas über Kultur und Politik ihres Nachbarlandes
erfahren und wurden auch regelmäßig  über Veranstaltungen im niederschlesischen
Raum beiderseits der Neiße informiert.

Deutsche und Polen sollten sich besser kennen lernen, Vorurteile abgebaut werden.

Nach dem Zgorzelecer Lehrer Jozef Wiese konnte der Leiter der Kurse 2008 auch die
ausgebildete Deutschlehrerin der Grundschule Penzig (Piensk) Zuzanna Derbis
verpflichten. 2009 löste Professor Dr. Sigwart Thürmer Christa Tzschaschel als
Kassierer ab. In den Folgejahren wurden die Sprachkurse immer bekannter. Die Zahl
ihrer Teilnehmer stieg stark. Nachdem sie seit 2011 endlich auch in Deutschland
arbeiten dürfen, kommen immer mehr Polen zu den Kursen. Die Anzahl der Kurse
musste erhöht werden. Seit dem Schuljahr 2012/2013 laufen vier (zwei Angänger- und
zwei Fortgeschrittenen-Kurse). Das Wintersemester 2015/2016 zählte 118 Lernende (88
Polen, 30 Deutsche). Sie kommen nicht nur aus Görlitz und Zgorzelec, sondern auch
aus dem niederschlesischen Umland beider seits der Neiße und darüber hinaus, z.B. aus
Rothenburg, Niesky, Reichenbach, Lauban (Luban),Seidenberg (Zawidow), Hirschberg
(Jelenia Gora), Schönberg (Sulikow), Penzig (Piensk), Reichenau (Bogatynia) und
zahlreichen kleineren Gemeinden. Die Kurse verzeichnen mehr weibliche als männliche
Teilnehmer. Sie reichen altersmäßig vom 17-jährigen polnischen Liceumsschüler, der
noch für sein Deutsch - Abitur (Matura) üben möchte, bis zum 80-jährigen Rentner. Am
häufigsten vertreten sind Polinnen im Alter von 25 - 40 Jahren, die gern in Deutschland
arbeiten möchten. Relativ häufig vertreten sind Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen,
Krankenschwestern, Physiotherapeutinnen und Ärzte, aber auch Angestellte der Kreis-
und Stadtverwaltungen, sowie der polnischen Wechselstuben wären zu erwähnen. Viele
Kursteilnehmer haben ein Hochschulstudium absolviert. Prominentester Teilnehmer war
der derzeitige Bürgermeister von Zgorzelec, Rafal Gronicz. Auffallend ist, dass relativ
viele „Neu-Görlitzer (aus den alten Bundesländer zugezogene Pensionäre) die polnische
Sprache bei „Via Regia“ erlernen möchten.

Es entstanden enge Freundschaften, sogar mehrere Ehen und Partnerschaften zwischen
Deutschen und Polen. Überhaupt ist das Verhältnis in den Kursen sehr freundschaftlich.
Fast alle Teilnehmer sprechen sich mit „Du“ an. Dazu trägt das regelmäßige gesellige
Beisammensein nach dem Unterricht im benachbarten Restaurant „Afirmacja“ bei.  
Großen Zulauf haben die alljährlichen Veranstaltungen - die in Polen äußerst beliebte
Tanzveranstaltung „Andrzejki“ (Andreas-Nacht) um den 30. November, die besinnliche
„Wigilia-Feier“ (Weihnachtsfeier) auf polnische Art, das große Sommerfest zum
Schuljahresende und der gemeinsame Ausflug nach Dresden. In den Sommerferien
treffen sich jeden Montag derzeitige und ehemalige Teilnehmer in der griechischen
Gaststätte Tawerne „Naousa“ auf der ul. Kosziuski 66 in Zgorzelec.

Die einzelnen Aufgabenfelder sind unter den „Machern“ aufgeteilt. Hartmut Heinze
trägt die Verantwortung für die Kurse. Er, der selber 40 Jahre lang als Sprachlehrer tätig
war und sich seit 1965 mit der polnischen Sprache befasst, bestellt die Lehrkräfte,
organisiert alle Feierlichkeiten und Ausflüge. Er ist auch der Pressesprecher. Der Leiter
unterhält einen engen Kontakt zu den Kursteilnehmern, beantworet ihre SMS-, e-mail-
und Telefonanfragen, ist den polnischen Teilnehmern bei der Arbeitssuche und
Anerkennung ihrer Magister-Diplome in Deutschland behilflich.

Professor Dr. Sigwart Thürmer ist für den finaziellen Bereich zuständig. Er kümmert
sich äußerst gewissenhaft um die Kassierung der Teilnehmer, sowie um die Bezahlung
der beiden Lehrer und des Unterrichtsraumes. Deutsche Teilnehmer der Kurse zahlen
40,-€, polnische 100,- Zloty für ein Semester. Die Teilnehmergebühren können so
niedrig gehalten werden,weil Hartmut Heinze und Dr. Sigwart Thürmer ehrenamtlich
und völlig unentgeltlich arbeiten. Nur die beiden Lehrer und der Unterrichtsraum
müssen bezahlt werden. Polnische Lernende zahlen weniger als deutsche, weil die
Verdienste in Polen weitaus niedriger als in Deutschland sind. Das Unterrichtsgebäude
befindet sich auf polnischer Seite und in Grenznähe, weil dort die anfallenden Kosten
geringer sind, aber andererseits die deutschen Teilnehmer keinen weiten Weg haben
sollen.

Zuzanna Derbis unterrichtet inzwischen drei der vier Kurse. Sie führt ihren Unterricht
nach modernen Methoden und fertigt Kopien für alle Teilnehmer an.
Der 82-jährige Jozef Wiese, der seit 2003 bei „Via Regia“ ist, beabsichtigt so lange zu
unterrichten, wie er dazu gesundheitlich in der Lage ist. Die „Via Regia“ - Sprachkurse
begehen dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum u.a. mit einem Ausflug nach Dresden am
18.06.2016 und einem Sommerfest am 25.06.2016 im Zgorzelecer Hotel „Pawlowski“.
Hartmut Heinze erklärte sich bereit, das Sprachprojekt ein weiteres Jahr zu leiten. Er
bedankt sich bei all seinen bereitwilligen Helfern, ohne deren gewissenhafte Arbeit
seine Leitungstätigkeit nicht möglich wäre.

Weitere Informationen: Hartmut Heinze, Tel.: 03581 401997
                                      www.d-pl-kurs.npage.eu